(10.10.2019) Viele der 31 Senioren, die sich auf den Weg in den fränkischen Hahnenkamm nach Spielberg gemacht hatten, waren noch nie in der Ecke.
Das Wetter war zweigeteilt: An der Donau schien die Sonne, am Hahnenkamm zwischen Gunzenhausen und Oettingen war es herbstlich. So kam es, dass etliche nicht „wetterfest“ waren und sich ins Gasthaus begaben. Die größere Gruppe versammelte sich um die Besitzerin der Obstarche, Agraringenieurin Maria Gentner und den Pomologen Wolfgang Subal.
Am Anfang gab es allgemeine Erläuterungen: Der Gasthof Gentner in Spielberg wurde 1672 als Domäne des Schlosses Oettingen-Spielberg erbaut. Seit 150 Jahren ist diese im Besitz der Familie Gentner. Nach dem Tod der Eltern restaurierten die Töchter das Anwesen und betreiben das Gasthaus mit Übernachtungen.
Die Obstarche wurde 2007 gegründet und mit viel Leidenschaft von Frau Gentner aufgebaut. Unterstützt wurde sie von der Landwirtschaftlichen Anstalt Triesdorf, sowie von Schülern der Waldorfschule Wendelstein.
Momentan stehen ca. 120 Bäume mit über 100 verschiedenen Apfel-und Birnensorten auf der 2,5 ha großen Streuobstwiese. Wolfgang Subal ging mit der Gruppe zu etlichen Bäumen, die voller Früchte waren. Jeder Baum trägt ein Schild mit dem Namen der Sorte. Manche Bäume müssen, nachdem die ersten Früchte reifen, umbenannt werden. Kein Pomologe kann zu 100% vorhersagen, ob der Baum aus der Baumschule die richtigen Früchte trägt. Dies wird verständlich, wenn man weiß, dass es in Deutschland über 4000 verschieden Apfel- und über 3000 verschiedene Birnensorten gab. Viele alte Bäume gehen verloren, weil sie nicht mehr gepflegt werden. Deshalb auch der Name “Obstarche“, das heißt Bewahrung alter Sorten. Man kann dort auch Baumpate werden und damit diese wertvolle Arbeit unterstützen.
Durch neue Züchtungen bekommen immer mehr Menschen Obstallergien. Bei den alten Sorten wie Boskop, Goldparmäne, Roter Berlebsch u.ä ist dies seltener der Fall, da diese gesündere Parabene enthalten. Zudem gibt es auf einer Streuobswiese ca. 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, alles ist biologisch, auch die Würmer in den Äpfeln und die Wühlmäuse, welche die Wurzeln anknabbern!
Heute wird Plantagenobst angebaut. Das ist Massenware für die Optik, weniger für den Geschmack. Ca. 15 Sorten sind auf dem Markt, welche wöchentlich gegen Krankheiten und Feindlinge gespritzt und dann im Lager begast werden, dass sie bis zur nächsten Ernte knackig und schön bleiben. Dies sind Sorten wie Pink Lady, Gala, Elstar usw.
Nach dem sehr informativen Rundgang war im warmen Gasthaus die Kaffeetafel mit Apfelkuchen gedeckt. In schönster Gemeinschaft verflog die Zeit, nachdem auch die Regenpause in der Natur beendet war.
Mit Ausblick auf den Besuch der Zuckerfabrik in Rain verabschiedeten sich die Teilnehmer dieses lehrreichen Dienstag-Nachmittages am 9. Oktober 2019.