Am 16. August 2026 besucht Bischof Paul Hepp (stellvertretender Leiter des Apostelbereichs München) die Gemeinde Gersthofen und feiert gemeinsam mit der Gemeinde, Asbach-Bäumenheim, Augsburg-Bärenkeller sowie Neusäß Gottesdienst. Im Mittelpunkt stand das Bibelwort aus Römer 8, 15: „Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!"
Nicht Knechte, sondern Kinder
Ausgehend vom Chorlied „Du hast uns als Gemeinde“ (Chorbuch Nr. 352) nimmt Bischof Paul Hepp zunächst die gemeinsame Begegnung mit Gott in den Blick. Vor Gott darf der Mensch immerlich ehrlich sein – ohne Masken und ohne etwas vorspielen zu müssen. Er kenne seine Kinder ohnehin und lade dazu ein, mit allem zu ihm zu kommen.
Das Bibelwort führt dabei zu einem grundlegenden Gedanken: dem Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Bischof Hepp stellt daher den Unterschied zwischen einem Knechtschaftsverhältnis und einem Kindschaftsverhältnis heraus.
Ein Knecht arbeitet aus Angst, muss Anweisungen befolgen und besitzt selbst nichts. Ein Kind hingegen darf sich in einem angstfreien Raum bewegen, Fragen stellen und darauf vertrauen, am Erbe teilzuhaben. Mit dem Bild der Kindschaft wird deutlich: Gott möchte nicht, dass Menschen aus Angst oder unter ständigem Leistungsdruck zu ihm kommen.
Die Menschen waren durch die Sünde von Gott getrennt. In Jesus Christus schenkt Gott ihnen Befreiung und eröffnet ihnen die Kindschaft. Diese ist kein Verdienst des Menschen, sondern ausschließlich Gnade. Auch Heil kann nicht durch eigene Leistung erworben werden.
„Abba, lieber Vater“
Gottes Kindschaft verändert den Blick auf Gott und auf das eigene Leben. Als Kinder Gottes dürfen die Gläubigen ihn „Vater“ nennen und alles vor ihn bringen – auch das, was belastet, beschäftigt oder Angst macht.
Dabei verweist Bischof Hepp auf die Anrede „Abba“, mit der auch Jesus Christus zu Gott sprach. Das aramäische Wort lässt sich mit „Vater“ oder sinngemäß auch mit „Väterchen“ wiedergeben. Es bringt eine besondere Nähe und Vertrautheit zum Ausdruck.
Der Gedanke mündete in eine persönliche Zusage: „Möge ‚Abba, liebes Väterchen‘ dein Leben bestimmen.“
Gottes Geist führt in die Gemeinschaft
In einem weiteren Predigtbeitrag wird die Frage aufgegriffen, was es bedeutet, sich vom Geist Gottes leiten zu lassen. Priester Gerhard Peter, stellvertretender Leiter des Bezirks Augsburg/Nördlingen), stellt dazu die Aussage aus Römer 8, 14 in den Mittelpunkt: „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“
Anhand der Geschichte einer beschädigten Brücke, die zwei Städte miteinander verband, wird deutlich, welche Bedeutung Gemeinschaft hat. Obwohl die Menschen die Mängel der Brücke kannten, kümmerte sich zunächst niemand darum. Nach einem starken Unwetter wurde die Brücke schließlich weggespült. Erst dadurch wurde den Menschen bewusst, wie sehr ihnen die Verbindung untereinander fehlte. Gemeinsam machten sie sich daran, die Brücke wieder aufzubauen.
Auch der Geist Gottes möchte Verbindung schaffen – zwischen Menschen und ebenso zwischen Mensch und Gott. Sich von Gottes Geist leiten zu lassen bedeutet daher auch, Gemeinschaft zu suchen und zu bewahren.
Ein angstfreies Bild von Gott
Ein weiterer Gedanke kommt aus dem Predigbeitrag von Priester Norbert Strixner (Vorsteher der Gemeinde Neusäß): das wahre Gottesbild. Das Vertrauen auf Gott darf von Angstfreiheit geprägt sein. Gottes Liebe ist nicht nach dem Prinzip „Wenn du dies oder jenes tust, dann geschieht dir etwas“ zu verstehen. Vielmehr steht die bedingungslose Liebe Gottes zu seinen Kindern im Mittelpunkt.
Doch wie kann sich dieses Gottesbild im eigenen Leben festigen? Dazu gehört, sich mit Gott und dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen, die Verbindung zu ihm im Gebet zu pflegen und Gemeinschaft im Heiligen Abendmahl und in der Sündenvergebung zu erfahren. So kann immer wieder neu erfahrbar werden: Ich bin ein geliebtes Kind Gottes.
Seine Liebe trägt. Seine Gnade bleibt.
Der Gottesdienst macht Mut, Gott nicht als fernen oder strafenden Herrn zu sehen, sondern als den liebenden Vater, zu dem seine Kinder jederzeit kommen dürfen. Gott hat die Gläubigen zu seinen Kindern gemacht und ihnen Anteil an seiner Herrlichkeit geschenkt. Darauf dürfen sie vertrauen: Seine Liebe trägt. Seine Gnade bleibt.
Text: Jasmin (Gemeinde Gersthofen)
Bilder: Martin (Gemeinde Gersthofen)