(02.12.2013) Am 27. November 2013 berichtete die Augsburger Allgemeine Lokalteil Lauingen über das Chorkonzert in der Spitalkirche anlässlich des 150-jährigen Kirchenjubiläums der Neuapostolischen Kirche: Romantische Sakralmusik in der Spitalkirche Begeisterter Beifall für den Kammerchor der Neuapostolischen Kirche. Von Erich Pawlu / Lauingen.
Der Toten- oder Ewigkeitssonntag versteht sich als Anlass, das Bewusstsein des Menschen auf das ewige Leben einzustimmen.
Ein Chorkonzert in der Lauinger Spitalkirche erfüllte diese Aufgabe mit der Gestaltung romantischer Sakralmusik.
Unter der Leitung von Andreas Krug trug der Kammerchor der Neuapostolischen Kirche im Bezirk Nördlingen Kompositionen vor, die in der Gründungszeit dieser christlichen Gemeinschaft entstanden. Hoch motiviert verdeutlichten die Sängerinnen und Sänger die ausgeprägte religiöse Komponente des spätromantischen Weltbildes. Die vierstimmigen Tonsätze wurden mit ausgezeichneter Prägnanz umgesetzt, das differenzierte Kolorit des Vortrags unterstrich einfühlsam den jeweiligen Geist der Textinhalte. Mühelos bewältigte der Chor die Herausforderung, auf der Grundlage komplexer Kompositionsstrukturen dialogisierende oder ineinandergreifende, aber immer harmonische Klangbilder zu schaffen.
Die Zuhörer erlebten in der restlos gefüllten Kirche ein einstündiges Programm, das der meditativen, vertrauensseligen oder flehentlichen Hinwendung zur Macht Gottes gewidmet war. Die Werke, zumeist inspiriert von alttestamentlichen Texten, umspannten in dieser Interpretation auch die schwärmerische Gottesverehrung im Sinne romantischer Emotionalität.
Schon der Auftakt mit drei Chorsätzen von Mendelssohn Bartholdy bewies die gestalterische Kraft des Chors und seines Dirigenten. Der Halbtonreiz in „Jauchzet dem Herrn“, die Stimmenharmonie in „Erhaben, o Herr, über alles Lob“ und die dynamischen Steigerungen in „Herr, sei gnädig“ erwiesen sich als Einstimmung von hoher Qualität. Max Bruchs Vertonung des Mörike-Gedichts „Herr, schicke was du willst“ wurde zur adäquaten Umsetzung des biedermeierlichen Bekenntnisses zur Genügsamkeit und die Wirkung des „Abendliedes“ von Rheinberger beruhte auf der exakten Ausdeutung des kontrapunktischen Tongefüges. Wunderschön herausgearbeitet wurde das Spannungsverhältnis zwischen Frauen- und Männerstimmen in Bruckners „Locus iste“, Lützels „Herr, mein Gott“ wurde zu einem ästhetischen Exempel unbedingten Gottvertrauens und der Wohlklang in Julius Abels „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet“ erhielt den Rang einer jenseitsorientierten Tröstung.
Dass diese Suche nach Trost eine Konsequenz irdischen Leids sein kann, drückte der Chor in Friedrich A. Gerlings „Dennoch bleibe ich stets an Dir“ durch die Überleitung düsterer Tonfärbung in erlösten Jubel aus. Abgeschlossen wurde die Vortragsfolge mit zwei Sätzen aus dem Oratorium „Elias“ von Mendelssohn. Die Zuhörerschaft zeigte sich so stark beeindruckt von der sicheren Intonation und vom klaren Verständnis für den Geist der Musik im jeweiligen Werk, dass der Schlussbeifall in jener begeisterten Form erklang, die man heute „Standing Ovations“ nennt. Dirigent Andreas Krug hatte schon in seiner Begrüßung der Lauinger Pfarrei St. Martin und Stadtpfarrer Raffaele de Blasi für die Bereitschaft gedankt, das Konzert in der Spitalkirche zu veranstalten. Spenden der Besucher kommen, wie Krug betonte, „zu 100 Prozent“ den Taifun-Opfern auf den Philippinen zugute. Insgesamt kamen 700 Euro zusammen.